Tägliche Mutmach-Impulse in Zeiten von Corona

Montag, 13. Juli – unser vorerst letzter Mutmach-Impuls an dieser Stelle:

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Sonntag, 12. Juli

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Wieder ein Stückchen Normalität - das macht Mut !

Unsere erste Posaunenchorprobe in der Kreuzkirche nach dem Lockdown durch Corona

Natürlich unter Einhaltung aller Sicherheits-Vorschriften (Abstand, Spuckschutz und eigene Noten und Notenständer)

Freitag, 10. Juli

Geborgenheit

 

Mit all meinem geschenkten Glück

Und dem mich getroffenen Unglück

Bin ich geborgen

Im verborgenen Geheimnis Gottes

 

Mit all meiner furchtbaren Unruhe

Und mit dem Wunsch nach mehr Stille

Bin ich geborgen

Im verborgenen Geheimnis Gottes

 

Mit all meinem guten Gelingen

Und dem peinlichen Scheitern

Bin ich geborgen

Im verborgenen Geheimnis Gottes

 

Mit all meinen vielfältigen Gaben

Und meinen mir eigenen Grenzen

Bin ich geborgen

Im verborgenen Geheimnis Gottes

 

(Paul Weißmantel) 

Donnerstag, 9. Juli

Nichts soll dich ängstigen,

nichts dich erschrecken.

Alles geht vorüber.

Gott allein bleibt derselbe.

Wer Geduld hat,

der erreicht alles.

Wer Gott hat,

der hat alles.

Gott alleine genügt.

 

(Theresa von Avila)

Mittwoch, 8. Juli

Irischer Segen

Segen sei mit dir,

der Segen strahlenden Lichtes:

Licht um dich her

und innen in deinem Herzen.

Sonnenschein leuchte dir

und erwärme dein Herz,

bis es zu glühen beginnt wie ein großes Feuer –

und der Fremde tritt näher,

um sich daran zu wärmen.

Montag, 6. Juli

Sauen, die sich nicht hinlegen können, ohne an irgendetwas anzustoßen, Hühner in Legebatterien, Küken, die geschreddert werden – ich finde den Gedanken an die Qualen dieser Tiere schier nicht aushaltbar! Sie sind doch Lebewesen! Und gleichzeitig fühle ich mich so ohnmächtig und weiß nicht, wo man ansetzen kann, dagegen wirksam zu protestieren.

 

Schöpfer des Alls!

Aus deiner Liebe kommt unsere Welt.

Wir bestaunen dein Werk und loben dich.

Gut, sehr gut ist, was du geschaffen hast.

Mach uns zu treuen und sorgsamen Verwaltern deiner Erde,

dass wir aufhören, sie zu schänden und auszubeuten.

Erhalte uns die Freude an der Natur

und die Ehrfurcht vor dem Leben.

Gib, dass wir nichts tun, was deiner Schöpfung schadet.

Hilf uns barmherzig zu sein mit allen Kreaturen,

die mit uns auf deine Erlösung warten.

Wir sind ja auch von der Erde und danken dir jeden Atemzug.

Segne uns, dass auch Kinder und Kindeskinder

mit all deinen Geschöpfen diese Erde bewohnen können.

Mit dem Hauch deines Geistes willst du die Welt erneuern.

Wir preisen dich dafür und loben dich.

Amen.

 

(ur/www.elk-wue.de)

Sonntag, 5. Juli

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Samstag, 4. Juli

Es war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem elenden Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen – keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken, den Liedern der Nachtigall! Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird! Wenn diese Raupen ahnten, was ihnen als Schmetterling blühen wird: Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen und der Tod ist nicht das Letzte.

So dachte der gute Mensch, und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein!

Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlingshafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. – Er versuchte, Vergleiche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut, und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans endlose Fressen.

Nein, so ging es nicht. Und als der gute Mensch neu anfing: Ihr Puppensarg sei nicht das Letzte, sie würden sich verwandeln, es würden ihnen Flügel wachsen, sie würden leuchten wie Gold – da sagten sie: Hau ab! Du spinnst! Du hältst uns nur vom Fressen ab! – Und sie rotteten sich gegen ihn zusammen.

Freitag, 3. Juli

Wenn Gott die Verlorenen findet

ins versprochene Land zieht mit all seinen Liebsten

dann wird da ein Lachen sein und ein Tanz

wie die Träumenden werden wir sein

wie ein Morgenlied

dann werden die Hungernden satt

die versklavt sind kämpfen sich frei

und in Freude getaucht sind die Weinenden.

 

Wenn Gott anbricht in vollem Glanz

seine Schönheit und Liebe das All überflutet

dann wird da ein Staunen sein und ein Schwung

wie ein Jubelsturm wird es sein

wie ein Sprung ins Freudenmeer

dann werden die Trauernden Flügel bekommen

und aufrichten sich die Gekrümmten

nicht eine Träne wird ohne Antwort sein

nicht eine Klage verhallt ins Leere.

 

(nach Psalm 126)

Mittwoch, 1. Juli

Schöpfer des Lichts, Sonne meines Lebens,

ich danke dir für diesen neuen Tag.

Hilf mir, deinen Willen zu erkennen und zu tun.

Gib mir Kraft für die Aufgaben, die mir gestellt sind:

Gib mir Mut für die Schritte, die ich tun muss:

Gib mir Liebe zu den Menschen, die mir begegnen:

Lass mich erfahren, dass du mir nahe bist in allem, was heute geschieht.

Amen.

 

(www.elk-wue.de)

Dienstag, 30. Juni

Na, habt ihr die richtige Antwort gefunden?

Sie lautet schlicht: NICHTS.

 

Nichts ist größer als Gott,
bösartiger als der Teufel,
die Armen haben es,
die Geizigen geben es,
die Verschwiegenen sagen es,
die Zufriedenen brauchen es,
und wenn du es isst, stirbst Du.

 

Ich finde es tröstlich und mutmachend, dass wir wissen dürfen, dass nichts größer ist als Gott

– auch das kleine, fiese Virus nicht !!!

Montag, 29. Juni

Was ist größer als Gott,
bösartiger als der Teufel,
die Armen haben es,
die Geizigen geben es,
die Verschwiegenen sagen es,
die Zufriedenen brauchen es,
und wenn du es isst, stirbst Du?


Nach der Lösung befragt, gaben 80% Prozent der Kindergartenkinder

die richtige Antwort,

während nur 17% der höheren Semester einer Universität

die richtige Lösung fanden.

Strenge dich mal an, was das sein kann, nach dem hier gefragt wird.

Es liegt so nahe, dass man einfach nicht draufkommt!

Die Lösung gibt es morgen, falls ihr nicht selbst drauf kommt.

Sonntag, 28. Juni

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Samstag, 27. Juni

Ein musikalischer Gruß aus unserem Kindergarten: "Wir sind Kinder einer Welt"

Donnerstag, 25. Juni

Herr, ich sehe Deine Welt, das weite Himmelszelt, die Wunder Deiner Schöpfung.
Alles das hast Du gemacht, den Tag und auch die Nacht, ich danke Dir dafür.
Berge, Flüsse und die Seen, die Täler und die Höh'n, sind Zeichen Deiner Liebe.
Sonne, Wolken, Sand und Meer, die loben Dich so sehr, sie preisen Deine Macht.

Darum bete ich Dich an, weil ich nicht schweigen kann; die Freude füllt mein Singen.
Staunend habe ich erkannt: Ich bin in Deiner Hand, und Du lässt mich nicht los. (Peter Strauch)

Das Bild kann angeklickt und vergrößert werden. Es stammt von unseren Tagen an der Nordsee. RW

Mittwoch, 23. Juni

Im Walde zwei Wege boten sich mir dar, ich ging den, der weniger betreten war – das veränderte mein Leben.

(Walt Whitman)

 

Das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal! Nur wenige finden ihn.

(Jesus)

Montag, 22. Juni

Heute etwas zum Schmunzeln: Auf dem Foto sehen Sie Frau Bartmann mit der Kollekte des gestrigen Gottesdienstes in Holzen. Mangels eines Umschlags für den Transport der Kollekte wurde für alle Münzen und Scheine (die Holzener sind freigebig!) einfach ein Einmalhandschuh zur Geldtasche umfunktioniert! Auch wenn ein Zwei-Euro-Stück gleich runter in den Ringfinger rutschte und ein weiteres den kleinen Finger verstopfte – Hauptsache, die zusammengelegte Gabe kommt an der richtigen Stelle an! Hygieneartikel sind eben in vielfacher Hinsicht nützlich! Und Kollektenmittel auch.

 

Danke allen, die regelmäßig sonntags oder auch durch einmalige Spenden dazu beitragen, dass die diakonische Arbeit unserer Gemeinde und die von Landeskirche oder Presbyterium bestimmten Kollektenzwecke unterstützt werden.

 

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb! (Paulus in seinem 2. Brief an die Christen in Korinth, Kapitel 9, Vers 7)

(ur)

Sonntag, 21. Juni

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Samstag, 20. Juni

Gottes Liebe sucht nicht das Liebenswerte,

sondern sie schafft es.

 

Martin Luther

Freitag, 19. Juni

Ich weiß nicht, ob das Leben mich liebt,

aber Gott hat mir die Gnade erwiesen, dass ich das Leben liebe,

das Leben, das die Dummköpfe durchrasen, ohne sich Zeit zu nehmen, es anzuschauen,

das Leben voll wunderbarer Geheimnisse, die es für alle Menschen bereithält.

 

Georges Bernanos, französischer Schriftsteller (1888–1948)

Mittwoch, 17. Juni

Erfüllt

Die Zeit vergeht wie im Flug.

Kaum einer schaut hier auf die Uhr.

Nur gegen Abend, wenn die Schatten länger werden,

fragt man sich – ohne Reue –,

wo die Stunden geblieben sind.

So müsste das Leben sein.

Am Ende müsste man sich erfüllt und glücklich fragen,

wie denn so viele wunderbare Erlebnisse

in ein so kurzes Leben haben hineinpassen können.

(Manfred Siebald)

Dienstag, 16. Juni

Herr was ich brauche, du teilst es mir zu.

Du hältst mein Los in der Hand.

Mir ist ein schöner Anteil zugefallen;

was du mir zugemessen hast, gefällt mir gut…

Du führst mich den Weg zum Leben.

In deiner Nähe finde ich ungetrübte Freude;

aus deiner Hand kommt mir ewiges Glück.

(Psalm 16.5.6.11)

Montag, 15. Juni

Manchmal müssen erst unangenehme Dinge passieren, um uns daran zu erinnern, dass es an der Zeit ist, etwas zu ändern.

(Verfasser unbekannt)

Sonntag, 14. Juni

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Samstag, 13. Juni

„Unerledigtes“ auf dem Kalender

Zum Beispiel, Indien sähe ich noch gern,

Bevor ich fort muss. Und den Fudschijama,

Wie er so plötzlich aufragt, wolkenfern,

Vom Dämmerlicht geheimnisvoll umhuscht;

Wie Gott und Hokusai ihn hin getuscht.

Was ich als nächstes wohl zu sehn begehrte?

Das Reich des Tu-Fu und des Yüan-Ming,

Des Meisters Laotse, der im „Taoteking“

Den Segen weisen Nichtstuns uns bescherte,

Und Schweigen (in fünftausend Worten) lehrte.

Dann: Jene Stadt, in der ich einst so fleißig

Die Schule schwänzte, kurz vorm Abitur,

Und den Studenten, dem ich anno Dreißig

So zuversichtlich ewige Treue schwur.

Auch Jim, der Franziskaner werden sollte,

– Ein Ideal, das lang ihm vorgeschwebt –

Und sich, für mich, das Leben nehmen wollte;

Und jetzt in Rom, mit einer andern, lebt.

Ein einziges Mal, und war es mein Verderben,

Spielt ich in Monte Carlo gern Roulette.

„Neapel sehen“ möcht ich, und nicht sterben;

Und dann Paris... Nochmal von A bis Zett.

Zum Schluss: Besuch auf einem andern Stern

Und ins Vergangne. (Letztres stellenweise.)

Unendlich vieles täte ich noch gern,

Eh ich auf immer „unbekannt verreise“.

Dies alles fiel mir bei den Worten ein:

„Der Herz-Befund? – Er könnte besser sein.“

 

Mascha Kaléko

Freitag, 12. Juni

das Glück ist blau:

ein Sommerhimmellied am Morgen

Kornblumen zwischen grünen Halmen

die fragend aufgeschlagnen Augen eines Kindes

ein Blick mit dir zum Sternenhimmel

für unsern Sohn die ersten Jeans ……..

 

das Glück ist rot:

noch eine Rosenblüte im Oktober

Mohnseide in den Gräsern, windgewiegt,

der Sonnenball, im Abendhimmel schwebend

in unsern Gläsern randvoll Wein

dein Mund beim Lachen, Sprechen, Schweigen

Schlafwangen unsrer Kinder

ein Sonnenschirm, ein Luftballon

Flaumfedern einer Vogelkehle ……..

 

das Glück ist gelb:

Zitronenfalterspiele in der Luft

das Brot, in Ähren reifgeglüht

Vanille-Eis in Kinderfäusten

auf deinem Haar ein Netz aus Blütenstaub

Katrinchens erster Teddybär –

vermisst, beweint, zurückgekehrt

aus unserm Fenster Lampenschein

die Sonnenblumen unsrer Kinderjahre ……..

 

das Glück ist grün:

die taubenetzte Sommerwiese, morgenleer

auf Kinderfüße wartend

Moospolster –

samtig weich und federnd

Schattendächer für die Rast

die Bank am Hause

Efeugerank von alten Mauern rinnend

Blattspitzen auf dem Gartenbeet der Kinder ……..

 

das Glück ist siebenfarbig:

wie der Regenbogen

ein klarer Wassertropfen voll verborgnen Lebens

ein Blitz

ein Hauch

ein Ahnen

eine Welle, die alles Blut zum Herzen trägt

der Augen-Blick in gutes Land

das Glück ist

unbeschreiblich

 

(nach Christa Peikert-Flaspöhler)

Donnerstag, 11. Juni

Fortsetzung zu gestern:

 

Halt dich nicht raus!

Misch dich ein!

Beziehe Position!

 

Brich mit den Hungrigen dein Brot!

Sprich mit den Sprachlosen ein Wort!

Sing mit den Traurigen ein Lied!

Teil mit den Einsamen dein Haus!

Such mit den Fertigen ein Ziel!

(Peter Janssens)

 

Dann wird mein Licht eure Finsternis durchbrechen.

Die Nacht um euch her wird zum hellen Tag.

Immer werde ich, der HERR, euch führen.

(Jesaja 58,10b.11a)

Mittwoch, 10. Juni

Der gute Mensch am Höllentor

Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlage am Eingang. Schließlich musste sich der Teufel selbst heraus begeben, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einiger Platz frei ist“, sagte er. „den muss der ärgste Sünder bekommen. Sind vielleicht ein paar Mörder da?“ Und nun forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den Platz in der Hölle hergeben mochten. Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schließlich sah er einen, den er noch nicht befragt hatte. „Was ist eigentlich mit Ihnen – dem Herrn, der da für sich allein steht? Was haben Sie getan?“

„Nichts“, sagte der Mann, den er so angesprochen hatte. „Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich habe geglaubt, die Leute ständen hier um Zigaretten an.“

„Aber Sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel, „Jeder Mensch stellt etwas an.“ „Ich sah es wohl“, sagte der gute Mensch, „Aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgten, aber ich beteiligte mich niemals daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft; sie haben den Schwachen herumgetrampelt und die Armen zertreten. Überall um mich herum haben Menschen von Übeltaten jeder Art profitiert. Ich allein widerstand der Versuchung und tat nichts.“

„Absolut nichts?“, frage der Teufel ungläubig. „Sind Sie sich völlig sicher, dass Sie das alles mit angesehen haben?“ „Vor meiner eigenen Tür“, sagte der gute Mensch. „Und nichts haben Sie getan?“ „Nein!“ „Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“ Und als er den guten Menschen einließ, drückte sich der Teufel zur Seite, um mit ihm nicht in Berührung zu kommen.

nach Pedro Calderón de la Barca (1600-1681)

Dienstag, 9. Juni

Es gibt keine schwierigere Kunst als das Leben. Für andere Künste und Wissenschaften gibt es überall zahlreiche Lehrer. Selbst junge Leute glauben sich manche von diesen schon so angeeignet zu haben, um sie auch andere lehren zu können; leben muss man das ganze Leben hindurch lernen, und, worüber du dich vielleicht noch mehr wundern wirst, man muss im ganzen Leben sterben lernen.

Seneca

 

Jeder Tag ist ein kleines Leben – jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend, und jedes Zu-Bett-Gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.

Arthur Schopenhauer

Montag, 8. Juni

Memoiren eines Maikäfers

Gestern Abend – ich knabberte gerade an einem zarten grünen Blättchen – kam ein junges Paar durch den duftenden Park geschlendert. Sie ließen sich auf der grünen Bank direkt vor meiner flüsternden Buche nieder und wirkten auf mich wie zwei große glückliche Käfer. Gerade wollte ich mir ein neues Blättchen zurechtzupfen – da ließ das junge Fräulein einen jammervollen Seufzer ertönen, wie ich ihn in meinem ganzen 48-stündigen Leben noch nicht vernommen hatte. Gleich darauf knurrte der junge Mann so mürrisch, als ob bereits der Juni drohte, und dann klagten die zwei über Geld, Arbeit, Wohnungen so negativ und ausdauernd, als ob ihnen der liebe Gott gar keinen lauen Maienabend geschenkt hätte. Weil sie den Duft der Bäume, den Mond und den Ruf der Drossel bei ihrem Lamentieren ganz vergaßen, pumpte ich mich flugs startfertig und flog eine fröhlich brummende Ehrenrunde vor den beiden. Die junge Frau bemerkte mich als Erste: „Guck mal, ein Maikäfer!“, rief sie erfreut, „der erste in diesem Jahr.“ Das stimmte zwar nicht ganz – hatte ich doch gerade vorhin auf der Birke zwei ältere Maikäferinnen kennengelernt, aber es schmeichtelte mir doch sehr. „In ein paar Tagen ist er sowieso wieder hinüber“, entgegnete ihr der junge Mann, und das fand ich sehr ungehörig und dumm. Schließlich können ein paar Tage eine lange Zeit voll ungeahnter Entdeckungen und herrlicher Augenblicke sein. Man muss sie nur in vollen Zügen Blatt für Blatt zu genießen wissen. Ja, ich möchte fast behaupten, dass ich aus meinen kleinen Maientagen mehr machen kann als diese Leute aus einem ganzen Jahr voll gigangtischer Zukunftssorgen. Man muss nur einen Blick für die schönen Bäume haben, dachte ich, und da fiel mir wieder meine köstliche Buchenknospe ein. Ich ließ die beiden auf ihrer sorgenvollen Bank allein zurück und landete mit einem ausgelassenen Looping auf meiner gastlichen Buche. Ob sie überhaupt wissen, wie viel ihnen in ihrem Leben entgeht? Arme Zweifüßler! Dankbar ergriff ich ein schimmerndes Blättchen und knabberte zärtlich ein anständiges Loch hinein.

Georg von Halem

Sonntag, 7. Juni

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Samstag, 6. Juni

Ich habe heute nichts zu tun, außer fröhlich zu sein. RW

Freitag, 5. Juni

Hilfe Kasten Notfallkoffer

Wenn’s blutet, ist es gut zu wissen, wo der ERSTE-Hilfe-Kasten ist. Gar nicht gut, wenn man dann erst anfängt, nach Pflastern zu suchen. Manchmal blutet auch das Herz. Wunden brechen wieder auf. Angst wächst. Absturzgefahr. „Das Wasser geht mir bis an die Kehle“, heißt es im 69. Psalm. Auch in solchen Momenten ist es hilfreich, gleich etwas zur Hand zu haben: einen Erste-Hilfe-Kasten für die Seele.

Unser Vorschlag: Packen Sie einen Notfallkoffer! Wie können Sie wieder zu sich kommen, wenn Sie außer sich sind? Was tut gut? Was erdet und lenkt ab? Schreiben Sie auf, was Ihnen dann hilft. Sammeln Sie alles. Und üben Sie es an guten Tagen. Und nehmen Sie einen Karton, eine schöne Schachtel, eine kleine Kiste. Legen Sie die Liste hinein. Sammeln Sie zusätzlich andere Dinge, die Ihnen guttun: einen angenehmen Duft, einen Engel, eine Kerze, ihre Lieblingstee-Mischung und Schokolade, ein Schaumbad, wichtige Telefonnummern, Origami-Papier zum Falten oder ein Geduldspiel, einen Wut-Ball zum Zerknautschen und Gegen-die-Wand-Werfen, einen Gutschein für Kinokarten, ein Kreuz, eine Erinnerung an Glück – was immer Ihnen einfällt!

Donnerstag, 4. Juni 2020

  • (mp3, 5 MB) "Bleib bei mir, Herr/Abide with me" für Klavier (Hannah Fricke) und Orgel (Annika Eisenberg)

Mittwoch, 3. Juni

Eigentlich

sollte ich aufbrechen aus der Enge verbrauchter Gewohnheiten

Eigentlich sollte ich aufhören atemlos durch die Tage zu rennen

Eigentlich sollte ich mich weigern fraglos zu funktionieren und mich zu verschweigen

Eigentlich sollte ich das Wort Eigentlich streichen

um am Ende nicht sagen zu müssen

Eigentlich hätte ich leben wollen

Sabine Naegeli

Dienstag, 2. Juni

Stille ist die Arbeitszeit des Heiligen Geistes.

Peter Hahne

Pfingstmontag, 1. Juni

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Pfingstsonntag, 31. Mai

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Samstag, 30. Mai

Freitag, 29. Mai

Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein Wanderer und sagt: „Das ist nicht recht, dass Ihr reitet und lasst Euren Sohn laufen. Ihr habt stärkere Glieder.“ Da stieg der Vater vom Esel und ließ den Sohn reiten.

Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: „Das ist nicht recht, Bursche, dass Du reitest und lässt Deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine.“ Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.

Kommt ein dritter Wandergeselle und sagt: „Was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf einem schwachen Tier! Sollte man nicht einen Stock nehmen und beide hinabjagen?“ Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß mit dem Esel in der Mitte.

Kommt ein vierter Wanderer und sagt: „Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist’s nicht genug, wenn zwei zu Fuß gehen? Wenn einer von euch reitet?“ Da band der Vater dem Esel die vorderen Beine zusammen, der Sohn die hinteren, sie zogen einen starken Baumpfahl durch und trugen den Esel auf der Achsel heim.

So weit kann es kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

Johann Peter Hebel

  

Der größte Fehler, den man im Leben machen kann, ist,

immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.

Dietrich Bonhoeffer

 

Sei mutig und entschlossen!

Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst!

Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.

Die Bibel: Josua 1,9

Donnerstag, 28. Mai

Hilf mir beten und meine Gedanken

sammeln zu dir.

Ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.

Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe.

Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden.

In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt einen Weg für mich.

Vater im Himmel,

Lob und Dank sei dir für die Ruhe der Nacht,

Lob und Dank sei dir für den neuen Tag.

Lob und Dank sei dir für alle deine Güte

und Treue in meinem vergangenen Leben.

Du hast mir viel Gutes erwiesen,

lass mich nun auch das Schwere

aus deiner Hand hinnehmen.

Du wirst mir nicht mehr auferlegen,

als ich tragen kann.

Du lässt deinen Kindern alle Dinge

zum Besten dienen.

 

Dietrich Bonhoeffer

Mittwoch, 27. Mai

Glück

Es sprach der Meister zu seinen Schülern: “Das Glück ist ein Schmetterling. Jag ihm nach und er entwischt dir, setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.”

“Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?” fragte jemand der Zuhörenden.

“Hör auf, hinter ihm her zu sein.”

“Aber gibt es nichts, was ich tun kann?”

“Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.”

Anthony de Mello

Dienstag, 26. Mai

Haben Sie Träume?

Visionen?

Ideen?

Hoffnungen?

Ziele?

 

Welche?

 

Jetzt ist Dreamtime:

Montag, 25. Mai

Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.

Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter;
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
– weil er sich selber liebt – den Nächsten lieben.

Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
und an das Wunder nie gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!

Ich freu mich, dass ich . . . dass ich mich freu

(Mascha Kaléko)

Sonntag, 24. Mai

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Samstag, 23. Mai

Ich bat Gott um Stärke,

aber er machte mich schwach, damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.

 

Ich bat Gott um Hilfe, um große Taten zu vollbringen.

Er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte.

 

Ich bat um Reichtum, um glücklich zu werden.

Er machte mich arm, damit ich weise würde.

 

Ich bat um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könnte.

Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könnte.

 

Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat,

aber alles, was gut für mich war.

 

Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.

Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mensch.

 

Gebet eines unbekannten Soldaten

Christi Himmelfahrt, 21. Mai

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Mittwoch, 20. Mai

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): O For The Wings of A Dove (O könnt’ ich fliegen wie Tauben dahin),

aus der Motette "Hör mein Bitten", die Psalm 55 zur Grundlage hat.

Interpretin: Annika Eisenberg

 

Aus Psalm 55:

Gott, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.

Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so ruhelos klage und heule.

Mein Herz ängstet sich in meinem Leibe, und Todesfurcht ist auf mich gefallen.

Furcht und Zittern ist über mich gekommen, und Grauen hat mich überfallen.

Ich sprach: O hätte ich Flügel wie Tauben, dass ich wegflöge und Ruhe fände!

Siehe, so wollte ich in die Ferne fliehen und in der Wüste bleiben.

Ich wollte eilen, dass ich entrinne vor dem Sturmwind und Wetter.

Ich aber will zu Gott rufen und der HERR wird mir helfen.

Des Abends, morgens und mittags will ich klagen und heulen; so wird er meine Stimme hören.

Er erlöst mich von denen, die an mich wollen, und schafft mir Ruhe.

Gott wird hören, der allewege bleibt.

Wirf dein Anliegen auf den HERRN; der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen.

Ich aber hoffe auf dich.

Dienstag, 19. Mai

Jedes Mal,

wenn ich im Gebet an euch denke,

danke ich meinem Gott für euch alle.

(Paulus in seinem Brief an die Christen in Philippi, Kapitel 1, Vers 3)

 

Wie gut, wenn auch wir das tun:

im Gebet aneinander denken

und Gott füreinander danken.

Montag, 18. Mai – nach dem Sonntag Rogate (Betet!) und vor dem Sonntag Exaudi (Erhöre!)

Ein großartiger Tag beginnt mit einem Gebet.

Sonntag, 17. Mai

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Samstag, 16. Mai

Vorbemerkung: Natürlich wissen wir, dass nicht alle Menschen jetzt Langeweile haben, bei vielen ist gerade in dieser Zeit genau das Gegenteil der Fall. Aber der Text ist einfach klasse - der schwierigen Zeit das Positive abgewinnen ! RW

 

Himmelsgeschenk Langeweile

 

Am Fenster sitzen

nichts tun

nach draußen schauen

nichts geschieht

die Seele baumelt

es eilt nicht

Himmlische Langeweile

Den Tag vertrödeln

nichts Rechtes schaffen

die Stunden tröpfeln

nichts verstellt ihren Weg

die Dämmerung verträumen

nichts fehlt mir

Himmlische Langeweile

Geht denn das

darf es mir so langweilig sein

andere müssen schuften

haben keine Zeit mehr

laufen ihr hinterher oder vor ihr davon

in der Langeweile wächst meine Kraft

Himmelsgeschenk Langeweile,

wunderbar.

 

Aurelia Spendel - Ordensschwester (OP)

Freitag, 15. Mai

Eine besondere Augenweide sind im Moment unsere Rhododendren und Azaleen vor dem Paul-Schneider-Haus. In voller Blütenpracht locken sie auch zahlreiche Insekten an. Schon bald wird in diesem Bereich vor dem Gemeindehaus die neue behindertengerechte Zugangsrampe entstehen, so dass sich im kommenden Jahr ein anderes Bild bieten wird. Noch besteht Gelegenheit, sich in den nächsten Tagen vor Ort an dem schönen Anblick zu erfreuen! (Edwin Kurz)

Donnerstag, 14. Mai

In der Frühe

 

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,

Dort gehet schon der Tag herfür

An meinem Kammerfenster.

Es wühlet mein verstörter Sinn

Noch zwischen Zweifeln her und hin

Und schaffet Nachtgespenster.

– Ängste, quäle

Dich nicht länger, meine Seele!

Freu dich! schon sind da und dorten

Morgenglocken wach geworden.

 

Eduard Mörike

(8. September 1804 – 4. Juni 1875)

Mittwoch, 13. Mai

Wer in diesen Tagen an der Kreuzkirche vorbeigeht, sieht unsere "Warteschlange", lauter kunstvoll bemalte Steine, die uns die Wartezeit bis zum Wiedersehen verkürzen sollen.

Jeder Stein hat etwas zu erzählen. Dieser hier erzählt vom Familienleben, draußen im Grünen.

Dieser Stein beschreibt die lachende, hellstrahlende Sonne, die uns an vielen Tagen verwöhnt hat.

Auch wenn sich der Himmel heiter bis wolkig zeigt, kann er zu einem schönen Kunstwerk werden – und ein Regenbogen ohnehin.

Dieser Stein lädt zum Träumen ein: Leuchtturm, Insel, Meer und Wind – und schon schmeckt die Luft salzig und man hört die Möwen schreien…

Eine nächtliche Impression: Eine schwarze Katze betrachtet den vollen Mond und die hell funkelnden Sterne.

Hier liebt einer das Gitarrenspiel, ein anderer das Computerspiel – lauter bunte, fröhliche Kunstwerke, die einen staunen und schmunzeln lassen.

Weitere kreativ verzierte Steine…

…zauberhafte Ornamente…

…und glitzernde "Edelsteine".

Zum Schluss ein Stein, der größtes Gottvertrauen ausspricht: Du, Gott, behütest uns. Überall und immer. Auch jetzt. Die Farben des Regenbogens lassen uns immer daran denken. Ein Mutmach-Stein! – Danke allen Künstlern! Und: Wir freuen uns über weitere Opuscula! (ur)

Dienstag, 12. Mai – ein musikalischer Gruß unserer Kantorin Annika Eisenberg

Francesco Barsanti: Adagio (1. Satz aus der Sonate g-moll für Altblockflöte und Cembalo – beides spielt "in Personalunion" Annika Eisenberg)

Montag, 11. Mai

Am Ende die Rechnung

Lothar Zenetti

Einmal wird uns gewiss die Rechnung präsentiert
für den Sonnenschein und das Rauschen der Blätter,
die sanften Maiglöckchen und die dunklen Tannen, für den Schnee und den Wind,
den Vogelflug und das Gras und die Schmetterlinge,
für die Luft, die wir geatmet haben, und den Blick auf die Sterne
und für alle die Tage, die Abende und die Nächte.

Einmal wird es Zeit, dass wir aufbrechen und bezahlen.
Bitte die Rechnung!
Doch wir haben sie ohne den Wirt gemacht!


”Ich habe euch eingeladen”, sagt der und lacht,
soweit die Erde reicht: ”Es war mir ein Vergnügen!

Sonntag, 10. Mai

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Sonnabend, 9. Mai

Zum morgigen Sonntag "Kantate" haben westfälische Chorleiterinnen und Kirchenmusiker einen besonderen klingenden Gruß geschaffen: Unter http://ekvw.de/kantate2020 kann man ihre Interpretation von Heinrich Schütz’ „Singet dem Herrn ein neues Lied“ in der "Corona-Homeoffice-Version" genießen. Aus über 80 online verbundenen Stimmen harmonisch zusammengefügt, erklingt so ein froher evangelischer Choral in allen Wohnzimmern. Und wenn Sie genau hinschauen, können Sie auch mindestens zwei bekannte Gesichter entdecken!

Freitag, 8. Mai

Till Eulenspiegel - Bergauf und bergab

An einem Sommertage wanderte Eulenspiegel einmal durch den Harz. Das Wetter war herrlich; der Himmel strahlte im schönsten Blau, und früh schon war die Sonne aufgestanden. Als die Mittagsstunde heranrückte, meinte sie es freilich fast zu gut. Ihre Strahlen brannten nur so hernieder. Die Leute, die Till unterwegs traf, blieben alle paar Schritte stehen, zogen ihr Tüchlein und wischten sich den Schweiß von der Stirn.

Er selbst aber schritt munter vorwärts. Sein Wams hatte er ausgezogen und über die Schulter gehängt. So pfiff er sich ein Liedchen und tat, als gehe ihn die Hitze gar nichts an. Bald darauf führte der Weg auch noch steil empor. Ein hoher Berg lag vor ihm, und vom Gipfel war noch nichts zu sehen. Ihm aber und seiner guten Laune konnte auch das nichts anhaben. Im Gegenteil! Je höher er bergan schritt, desto fröhlicher wurde sein Gesicht.

Als er um eine Wegkrümmung bog, hatte er plötzlich eine ganze Schar von Wanderern vor sich. Es waren lauter rüstige, junge Leute. „Bei solcher Hitze auch noch Berge klettern!“ rief in brummigstem Ton der eine. „Und dieser Berg will noch dazu kein Ende nehmen!“ prustete ein Wohlbeleibter. „Wozu der liebe Gott nur die Berge geschaffen hat?“ seufzte eine der Frauen.

Till beschleunigte seine Schritte, und bald hatte er leichten Fußes die Schar der missvergnügten Wanderer überholt. Dabei pfiff er laut ein lustiges Lied, und sein Gesicht glänzte vor Fröhlichkeit wie der Vollmond am sommerlichen Abendhimmel. Darüber waren die jungen Leute so verwundert, dass sie stehen blieben und ihm mit großen Augen nachblickten. Der Wohlbeleibte aber ärgerte sich und rief wütend hinter ihm her: „Seht nur den Narren! Der freut sich noch, wenn er einen Berg hinaufgehen muss.“

Als Eulenspiegel diese Worte hörte, wandte er sich um und sagte: „Liebe Freunde, warum soll ich mich nicht freuen, wenn ich einmal bergauf gehen muss? Weiß ich nicht ganz genau, dass ich damit dem Gipfel immer näher komme, und dass es dann wieder leicht und lustig abwärts geht? Wenn aber der Weg bergab führt, bin ich betrübt. Denn (sic) dauert es bestimmt nicht lange, und es geht wiederum bergan. Erst bergauf, dann bergab! Einmal schwere und dann wieder frohe Zeit! So ist es hier, so ist’s überall im Leben. Darauf könnt ihr euch verlassen!

Nach diesen Worten winkte er noch einmal, wie zum Abschied, und ging mit frischem Schritt von dannen.   (E.A. Roloff)

Mittwoch, 6. Mai

Ich habe frei und habe Zeit. Ich möchte still sein, hören. Ich sitze ganz ruhig, entspanne mich. Ich schließe die Augen. Nichts soll mich ablenken und stören.

Nehme ich wahr, was mir sonst im Trubel entgeht? Ich atme und will das einige Zeit ganz bewusst tun. Mein Atem macht kein Geräusch. Die Luft streicht leise durch die Nase. Das Zwerchfell hebt und senkt sich. Der Raum um mich ist still.

Kann ich den Pulsschlag meines Herzens spüren? Unermüdlich kommt ein Schlag nach dem anderen, mit einer kleinen Pause dazwischen.

Jeder Mensch hat ein Herz. Mein Herz ist der Mittelpunkt meines Leibes. Es soll auch die Mitte meines Lebens werden. Ohne Herz ist der Mensch kein Mensch. Ich will auf die Stimme meines Herzens hören.

Ich überlege: meinen Atem kann ich anhalten, wenigstens für einige Zeit; mein Herz kann ich nicht anhalten. Es gelänge mir nicht.

Ich erfahre neu: ich bin lebendig. In mir lebt die unwiderstehliche Kraft des Schöpfers.

(Reinhard Weiß)

Dienstag, 5. Mai

Was ist das Leben

An einem schönen Frühsommertag war um die Mittagszeit tiefe Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten ihre Köpfe unter die Flügel, und alles ruhte. Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: „Was ist das Leben?“

Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Eine Rose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung.“

Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."

Drunten am Boden schleppte eine Ameise sich mit einem Strohhalm ab, zehnmal länger als sie selbst, und sagte: „Das Leben ist nichts als Mühe und Arbeit…“

Es hätte nun einen großen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte: „Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen…“

Hoch über ihnen zog ein Adler majestätisch seine Kreise, der frohlockte: „Das Leben ist ein Streben nach oben.

Dann kam die Nacht. Nach einer Weile ging ein Mann durch die leeren Straßen nach Hause. Er kam von einer Lustbarkeit und sagte vor sich hin: „Das Leben ist ein ständiges Suchen nach Glück und eine Kette von Enttäuschungen.“

Nach der langen Nacht kam endlich die Morgenröte und sagte: „Wie ich der  Beginn des kommenden Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit.“

(Quelle unbekannt)

Montag, 4. Mai

Heute wäre er 85 Jahre alt geworden: Rüdiger Nehberg. Man nannte ihn auch "Sir Vival“, denn er war ein Survival-Experte und zeit seines Lebens ein Abenteurer, wie er im Buche steht.


Seine Abenteuersuche verband er mit seinem Einsatz für gezielte Aktionen für Menschenrechte. Im Jahr 2000 gründete er die Menschenrechtsorganisation „TARGET“, deren Ziele der Einsatz gegen weibliche Genitalverstümmelung und der Einsatz für die Waiãpi-Indianer im Amazonas-Regenwald sind. 2012 konnte bei den Waiãpi-Indianern sogar eine kleine Urwaldklinik eröffnet werden. Unsere Kirchengemeinde hat vor einiger Zeit eine freie Kollekte für TARGET gesammelt.


Rüdiger Nehberg ist am 1. April dieses Jahres verstorben. Bleibt zu hoffen, dass seine Ziele weiterhin Unterstützung finden. Und dass auch wir die Menschen nicht vergessen, die über die Corona-Krise ganz aus dem Blick geraten. Die Menschen, die grausames Leid oder schlimme Ungerechtigkeiten erfahren und auf Hilfe not-wendig angewiesen sind.

 

TARGET e.V. Rüdiger Nehberg

 

Lektüretipp, falls Sie mehr wissen wollen über diesen mutigen und Mut machenden Menschen:

Rüdiger Nehberg: Dem Mut ist keine Gefahr gewachsen. Ein abenteuerliches Leben. München 2020.

(ur)

Sonntag, 3. Mai

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Samstag, 2. Mai

Lieber Hände falten

als Sorgenfalten.


(Hans-Joachim Eckstein)

Freitag, 1. Mai

Der Mai ist gekommen ...


Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott euch behüt!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert,
Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.

Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl!
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie ’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.

Und abends im Städtlein da kehr’ ich durstig ein:
„Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel sing’ ich dazu.“

Und find’ ich keine Herberg, so lieg’ ich zu Nacht
Wohl unter blauem Himmel; die Sterne halten Wacht;
Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh’ das Morgenrot mich wach.

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust;
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Emanuel Geibel (1815-1884)

Donnerstag, 30. April: Was geht es den meisten von uns gut - trotz Corona-Einschränkungen

Hunger

Nach dem Krieg waren meine Eltern mit meiner 1944 geborenen ältesten Schwester in einem Dorf im Teufelsmoor östlich von Bremen gestrandet. In einem kakerlakenverseuchten Kämmerchen zwischen wohlhabenden Bauern hausend litten sie erbärmlichen Hunger. Regelmäßige Lebensmittelzuteilungen gab es zunächst noch nicht, oder sie funktionierten vielleicht auch nicht in einem Umfeld, in dem Flüchtlinge eher selten anzutreffen waren. Lediglich meine „niedliche“ Schwester bekam ab und zu ein Butterbrot zugesteckt, das die Zweijährige stets getreulich nach Hause brachte, um es mit ihren Eltern zu teilen. Meine Mutter hat sich immer etwas geschämt, dass sie die spärlichen Bissen annahm, aber der Hunger war einfach stärker.

Meine Eltern bekamen eine kleine Parzelle Land und ein Stück Torfmoor zugeteilt. Sie, die vom Landleben und dem Anbau von Nutzpflanzen nicht das Geringste verstanden und an körperliche Arbeit kaum gewöhnt waren, mussten unter härtesten Bedingungen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie erlitten viele Rückschläge und magerten ab bis auf die Knochen. Meine Mutter war Sparkassenangestellte, mein Vater hatte das Schuhmacherhandwerk gelernt, um die technische Leitung der väterlichen Schuhfabrik in Weißenfels zu übernehmen, die inzwischen enteignet worden war. Der Weißkohl wurde nicht viel größer als Rosenkohlköpfchen, und das Torfstechen, ohne das man weder heizen noch das Wenige kochen konnte, raubte ihnen die letzten Kräfte.

Eines Tages, nach stundenlanger, zermürbender Arbeit im Moor, sprachen meine Eltern auf dem Heimweg darüber, ob sie die drei Scheiben Brot, die noch im Haus waren, am Abend aufessen und aufs Frühstück verzichten oder sich lieber auf je eine halbe Scheibe beschränken sollten. In ihrer Erschöpfung waren sie nicht in der Lage, einen Entschluss zu fassen. Sie verlegten sich darauf, die Entscheidung zu verschieben.

Als sie zu Hause unter Mobilisierung der letzten Kraftreserven die steile Treppe zu ihrer Dachkammer überwunden hatten, stockte ihnen der Atem. Da lag etwas vor der Tür, in Papier eingewickelt. Als sie das Paket aufhoben, entströmte ihm ein lang entbehrter, verheißungsvoller Duft: Es war ein Brot, ein ganzes, gutes, frisches Brot! Ein Brot aus echtem Getreide, nicht mit Eichelmehl gestreckt. Wo kam das her? Nach kurzem Überlegen erinnerte sich mein Vater, dass er einige Zeit zuvor einem Bäckerlehrling einen Gefallen getan hatte. Er hatte ihm mit Stücken aus einem alten Reifen die Schuhe fachgerecht besohlt. In großer Dankbarkeit betrachteten und beschnupperten sie das kleine Wunder, bevor sie es anschnitten. An diesem Abend lebten sie in Saus und Braus: Sie gönnten sich jeder zwei Scheiben Brot.

Beate Ullrich

Mittwoch, 29. April

Dieser Tage sah ich, wie ein Vater und seine vielleicht sechsjährige Tochter auf der Wiese neben der Kreuzkirche Rast machten. Offenbar unternahmen die beiden gerade eine Radtour. Jetzt aber hatten sie die Drahtesel in der Kircheneinfahrt platziert, und es war Zeit für eine Pause: Vater und Tochter saßen im Gras, packten ihr Lunchpaket aus und stärkten sich.

Was für ein schönes Bild: Bei Kirchens kann man mal Pause machen, innehalten, Kräfte sammeln und auftanken. Hier ist ein Ort, wo man willkommen ist und sich stärken kann.

Eigentlich ist es ja Gott selber, der alle willkommen heißt und stärken will. Der uns zeigen will, dass er da ist, uns jederzeit begleitet und immer ein offenes Ohr für uns hat. Der uns Kraft und Zuspruch geben möchte. Seine Gegenwart, sein Wort sind sozusagen Gottes stärkendes Lunchpaket für uns.

Machen wir doch mal eine Pause, vielleicht auf einer Radtour, vielleicht am Schreibtisch, vielleicht während der Hausarbeit. Setzen wir uns zwischendurch einfach mal ein Weilchen hin und packen Gottes Lunchpaket aus: Blättern in der Bibel und lesen darin. Was hat er uns da alles Gutes eingepackt: Trostworte, Hoffnungsworte, Mutmach-Impulse. Scheuen wir uns nicht, uns mit unserem Begleiter auszutauschen über all das, was uns gerade durch Herz und Sinn geht.

Und seien wir gewiss: Danach sind wir gestärkt für die weitere Tour durch den Tag!

Ulrike Rüter

Dienstag, 28. April

Don Davide Rota, Priester in Bergamo, der an Covid-19 erkrankt war:

"Was ich gelernt habe?

Jeden Tag besser zu leben –

mit der Begeisterung, als wäre es der erste,

und derselben Verantwortung, als wäre es der letzte Tag.“

(www.tagesschau.de, 26. April 2020)


"So lehre uns bedenken unsere Lebenszeit, damit Weisheit unser Herz erfüllt.“

(Psalm 90,12)

Montag, 27. April

Sonja erzählt die Geschichte vom verlorenen Schaf

Sonntag, 26. April

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Samstag, 25. April

Haben Sie Lust auf ein Wiedersehen? Jetzt gleich?

 

Das geht natürlich nicht, klar.

Wirklich nicht?

Zumindest digital hätten wir doch die Möglichkeit, uns wiederzusehen. Und das geht so:

 

Jeder, der will, schickt mir per E-Mail ein Foto, dieses wird dann hier auf dieser Homepage hochgeladen,

und so entsteht eine bunte Ansammlung von Fotos, auf denen wir uns in der Tat wiedersehen.


Jeder kann mitmachen, gern auch Ehepartner, Eltern, Kinder, Enkelkinder, Haustiere…

Egal, ob evangelisch oder katholisch, ob ortsansässig oder in anderer Weise mit unserer Gemeinde verbunden –

je mehr Fotos hier zu sehen sind, desto besser.

Natürlich darf das Foto auch ruhig ein aktuelles sein – mit gewachsener Haarpracht :-)

Es gibt keine Vorgabe – je bunter und abwechslungsreicher die Fotos sind, desto lustiger ist unser Wiedersehen!


Machen Sie mit? Dann schicken Sie Ihr Foto an u.rueter[at]freenet.de.

Das ist natürlich auch weiterhin, in der kommenden Zeit möglich,

die entsprechende Foto-Seite wird laufend aktualisiert.

Wer sonst noch an dem Foto-Treffen teilnimmt, sehen Sie hier!

Freitag, 24. April

Einfach zum Zurücklehnen und Genießen:

Johann Sebastian Bach: Praeludium C-Dur, BWV 846,1 (aus dem Wohltemperierten Klavier I), Klavier: Annika Eisenberg

Donnerstag, 23. April

Gib mir Kraft für einen Tag!

HERR, ich bitte nur für diesen,

dass mir werde zugewiesen,

was ich heute brauchen mag.


Jeder Tag hat seine Last,

jeder Tag bringt neue Sorgen

und ich weiß nicht, was für morgen

du mir, HERR, beschieden hast.


Aber eines weiß ich fest,

dass mein Gott, der seine Treue

täglich mir bewies aufs Neue

sich auch morgen finden lässt.


Gib mir heute deinen Geist,

dass das Band wird stark erfunden,

das mich hält mit DIR verbunden

und bis morgen nicht zerreißt.


Nun, so will ich meine Bahn

ohne Sorgen weiter schreiten.

DU wirst Schritt für Schritt mich leiten,

bis mein letzter Schritt getan.


Edith Stein


Am 21. April 1935 legte Edith Stein, die Philosophin jüdischer Herkunft, im Kölner Karmel ihr Ordensgelübde für drei Jahre ab und genau drei Jahre danach die Ewigen Gelübde. Am 9. August 1942 wurde sie im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 11. Oktober 1998 heilig.

 

 

Mittwoch, 22. April

Warteschlange

Heute geht es um eine Aktion!

Auf der Mauer direkt vor der Kreuzkirche haben wir, wie schon an vielen anderen Stellen in unserem Land und auch in unserer Stadt, eine Warteschlange mit vielen bunt bemalten Steinen gestartet. Vielleicht habt ihr bei einem Spaziergang schon mal so einen Stein gefunden und euch darüber gefreut. Auch vor unserem Kindergarten liegen schon ein paar bunte Steine.

Warten müssen wir alle im Moment, wann das „normale“ Leben wieder starten kann. Schule, Kindergarten, Kirche – wir vermissen es sehr. Die Warteschlange auf dem Mäuerchen vor der Kreuzkirche ist eine Möglichkeit, sich die Wartezeit zu verkürzen und zu verschönern. Unser Wunsch ist, dass die Warteschlange möglichst bunt und lang wird und die Zeit nicht mehr so lange dauert, bis wir uns alle wiedersehen.

Die Aktion ist nicht nur für Kinder gedacht, sondern für alle, die Spaß daran haben! Bitte nehmt die Steine nicht mit, sondern lasst die Warteschlange wachsen. (rw)

Rechts ein Bild von der „Warteschlange“ in Bruchhausen am Ruhrtal-Radweg (Bild anklicken zum Vergrößern)

Dienstag, 21. April

Wir singen für unsern Gott

Montag, 20. April

Ein Lied

Die Luft in dem niedrigen Zimmer war stickig. Aus dem Bett unter der Dachschräge waren die ungleichmäßigen, rasselnden Atemzüge des Kranken zu hören. Samuel Rodigast öffnete das Fenster, das einen Ausblick auf die Dächer von Jena erlaubte, und ließ die reine Abendluft in seine Lungen strömen. Aus dem Hof drangen die Geräusche des Alltags zu dem Mansardenfenster herauf. Im Treppenhaus hatte er den Arzt getroffen. Er könne nichts mehr für den Kantor tun, hatte er gesagt, diese Nacht würde er wohl nicht überleben.

Samuel schloss das Fenster und wandte sich seinem kranken Freund zu. Blass und hohlwangig lag er zwischen den Kissen, die Augen halb geöffnet. „Severus, du bist wach! Brauchst du etwas, soll ich dir zu trinken geben?“ Severus Gastorius schloss die Augen wieder und schüttelte schwach den Kopf. „Ein Lied“, krächzte er heiser. „Ich wünsche mir ein Lied von dir. Zum Trost.“ Samuel nahm den Lappen aus der Wasserschüssel neben dem Bett, drückte ihn aus und wusch Severus schweigend das heiße Gesicht. 'Wie soll ich jetzt ein Lied dichten', dachte er, 'wo du stirbst, mein Freund.'

Die Sonne war längst untergegangen, die Abenddämmerung verdichtete sich. Vom Bett kamen nun regelmäßige Atemzüge, Severus war eingeschlafen. Samuel zündete eine Kerze an und setzte sich an den Tisch. Er griff gedankenverloren nach der Bibel, die auf einem kleinen Wandbord lag, und schlug sie absichtslos auf. Nach einem langen Blick auf das jetzt ganz entspannte Gesicht des Freundes begann er unkonzentriert zu lesen, ohne zu bemerken, dass er das 5. Buch Mose aufgeschlagen hatte. Plötzlich zog ein Satz seine Aufmerksamkeit auf sich: „...denn alles, was er tut, das ist recht.“ Er schloss die Augen und lehnte sich zurück. Worte begannen in seinem Kopf zu kreisen. 'Es ist recht... Gut... Was Gott tut, ist gut... Er hat recht getan... Wohlgetan...'. Samuel richtete sich auf und blickte sich suchend um. „Wohlgetan“, murmelte er. Neben dem Pult am Fenster entdeckte er Severus' Schreibgerät. Er griff nach dem Messer und begann, die Feder anzuspitzen. Auf dem Tisch lag ein Rezept, das der Arzt dagelassen hatte, wohl in der vagen Hoffnung, vielleicht doch noch ein paar Pfennige an seinem Patienten zu verdienen. Er drehte es um, die Rückseite war frei. Eilig begann er zu schreiben. Hin und wieder hob er den Kopf, überlegte kurz und schrieb sofort weiter.

Der anbrechende Tag fand Samuel Rodigast am Tisch sitzend, den Kopf auf die Arme gelegt, in tiefem Schlaf. Ein Geräusch weiter unten im Haus ließ ihn hochschrecken. Vor ihm auf dem Tisch lag ein Blatt Papier, eng beschrieben mit sechs Liedstrophen, von denen jede mit den Worten begann: „Was Gott tut, das ist wohlgetan.“ Es war still im Zimmer. Erschrocken stand Samuel auf und ging zum Bett seines Freundes hinüber. Severus lag mit offenen Augen und lächelte ihn an. „Schön, dass du endlich wach bist“, flüsterte er. Samuel legte ihm die Hand auf die Stirn. Sie fühlte sich nicht mehr heiß an wie noch am Abend vorher. „Ich habe dir ein Lied geschrieben“, sagte er mit belegter Stimme und ging zum Tisch zurück, um das Blatt zu holen. Viermal hintereinander ließ Severus es sich vorlesen.

Es dauerte lange, bis der Kantor sich erholte. Immer wieder bat er Samuel oder andere Freunde, die ihn besuchten, ihm das Lied vorzulesen, bis er sich eines Tages Feder, Tinte und Papier ans Bett bringen ließ. Mit raschem Strich zog er Notenlinien und begann, eine Melodie zu schreiben.

Beate Ullrich

Was Gott tut, das ist wohlgetan

Sonntag, 19. April 2020

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Samstag, 18. April

Das Gewand

Nachdem er das lange wollene Hemd gewonnen hatte, hatten sie sich zuerst geprügelt und dann betrunken. Es hatte nicht viel zu bedeuten, wenn sie sich prügelten, sie taten es, ebenso wie das Trinken, aus Gewohnheit. Das Hemd hatte er in sein Bündel gesteckt, um es später zu verkaufen. Es war eine gute, feine Arbeit und würde ihm den mageren Sold etwas aufbessern.

Als er anderntags in seinem Mannschaftsquartier von den Bucinen geweckt worden war und den schweren Kopf mit viel Wasser gekühlt hatte, zog er seinen Gewinn hervor und überlegte, wie viel er dafür verlangen könnte. Er wollte sich sofort auf den Weg zum Basar machen, bevor sein Dienst begann, doch da fiel ihm ein, dass die Juden Sabbat feierten und aller Handel verboten war. Fluchend warf er das Gewand zu seinen übrigen Habseligkeiten.

Am nächsten Morgen wachte er schon lange vor dem Wecken auf und konnte nicht wieder einschlafen. Er ärgerte sich darüber, denn er hatte frei, weil er für den Nachtdienst eingeteilt war. In Kopf und Magen spürte er die Folgen des billigen Weins, dem er mit seinen Kameraden wie immer kräftig zugesprochen hatte. Er stand übellaunig auf, nahm das Hemd und breitete es auf seinem Schlafplatz aus. Da lag es, schlicht, ohne jede Verzierung und sah doch so fein und weich aus. Es war ohne Naht in einem Stück gewirkt, deshalb hatten sie es auch nicht zerteilen mögen, sondern das Los darüber geworfen. Wie es sich wohl auf der Haut anfühlte? Schon hatte er seine raue Soldatentunika abgelegt und streifte sich das Gewand über.

Er hatte die vage Vorstellung gehabt, sich mit dem ungewohnten Kleidungsstück wie ein großer Herr vorzukommen, wie ein vornehmer Jude vielleicht, doch kam es anders. Noch während der Stoff über seinen Kopf glitt, war die Übelkeit verschwunden, die schlechte Laune wie weggeblasen. Es war einfach nur alles gut. Er fühlte sich frisch wie nach einem Bad in dem kalten Bergbach zu Hause, in seinem Dorf, wo er die Jugend verbracht hatte, bevor er den Römern gefolgt war, um Legionär zu werden.

Als er die Garnison verließ, schaute der Bettler am Tor verwundert an ihm hoch und vergaß über den außergewöhnlichen Anblick, die Beine anzuziehen und den Kopf in den Armen zu verbergen, wie er es sonst tat, da von den einfachen Dienstgraden außer Schlägen oder Tritten nichts zu erwarten war. Der Soldat griff zu seinem eigenen Erstaunen in seinen Gürtel, den er über das Gewand gelegt hatte, warf  dem Armen eine Münze zu und ging weiter. Der Bettler fing sie auf und sah ihm mit offenem Munde nach.

An der nächsten Straßenecke begegnete er einer Patrouille. Einer der Männer blickte ihm ungläubig ins Gesicht, dann stieß er seinen Nebenmann in die Seite und stimmte ein brüllendes Gelächter an, in das die anderen einfielen, als sie in ihm ebenfalls ihren trink- und streitlustigen Kameraden erkannten. „Bist du unter die Juden gegangen?“ „Willst wohl eine schöne Jüdin erobern!“ Andere grinsten nur unverschämt und machten anzügliche Gesten. Normalerweise hätte ihm schon ihr Lachen genug Anlass geboten, eine Schlägerei zu beginnen, doch er grüßte freundlich, drehte sich um und ging einfach weg. „Das müssen wir melden“, schrie einer von ihnen hinter ihm her, enttäuscht, dass der Spaß schon zu Ende sein sollte. „Zivilkleidung ist verboten!“ Der Soldat in dem knöchellangen Hemd ließ, ohne sich noch einmal umzudrehen, einem schmutzstarrenden, zerlumpten kleinen Jungen ein Geldstück in die ausgestreckte Hand fallen und ging seiner Wege.

In der Nähe des Tempels sah er zwei Frauen eilig die Straße entlang laufen und in die nächste Seitengasse einbiegen. Wenig später kamen sie zurück, gefolgt von zwei Männern, die sie überholten und immer weiter zurückließen. Die Frauen riefen sich etwas zu. „...Auferstanden...“, hörte er, und dann: „...Galiläa!“ Er verstand nicht, wovon sie sprachen, doch wusste er jetzt, was er zu tun hatte.

Zurück im Quartier schichtete er seine Ausrüstung, seine Kleidung, alles, was er von Rom bekommen hatte, wohlgeordnet auf sein Lager. Den halbvollen Weinschlauch, den er verbotenerweise hinter seinen Sachen verborgen hatte, legte er in das Versteck eines seiner noch schlafenden Kameraden. Barfuß, nur mit dem in einem Stück gewirkten Gewand bekleidet, trat er auf die Straße. Seine letzten Münzen ließ er dem Bettler in den Schoß gleiten. Wie von selbst trugen ihn seine Füße auf den Weg nach Galiläa.

Beate Ullrich

Freitag, 17. April

Donnerstag, 16. April

Bis hierher hat mich Gott gebracht - EG 329

 

Die Frau, von der ich Euch heute erzählen möchte, ist 62 Jahre alt. Ihr ganzes Leben lang ist sie krank gewesen. Sicher, manches Mal sinkt auch ihr der Mut, manchmal, wenn sie die Schwäche in den Händen und Füßen spürt, wenn sie sich kaum bewegen kann ohne Schmerzen, dann wird ihr schon das Herz schwer. Aber dann, wenn sie anderen helfen kann, dann geht ein Lächeln über ihr Gesicht. »Es gibt so viele, denen es nicht so gut geht wie mir«, sagt sie dann. Schon als kleines Kind musste sie mit den Eltern ihr Zuhause verlassen und nach langem Suchen konnten sie endlich bei einem Verwandten unterschlüpfen. Nur wenige Jahre später starben kurz hintereinander ihre Eltern. Dort hatte sie schon als Kind den Tod kennen gelernt und die Tränen und die Trauer. Sicher, ihr Verwandter hatte sie wie ein eigenes Kind lieb gehabt. Es gab auch glückliche Zeiten. Und doch, wenn sie zurückschaut, dann denkt sie an die vielen lieb gewonnenen Menschen, die ein Stück mit ihr durchs Leben gingen - die Pflegeschwester, die beste Freundin, 3 Geschwister, ein eigenes Kind, sie alle sind schon vor ihr gestorben. Seit 32 Jahren ist sie selbst schon krank.

 

Seit einigen Jahren hat sie sich angewöhnt, einmal am Tage die Arbeit ruhen zu lassen, dann zieht sie sich zur Andacht zurück. Andacht meint für sie: singen, beten, reden von und mit Gott. Manchmal feiert sie die Andacht ganz alleine, oft gesellen sich andere aus dem Haus dazu. Gemeinsam schöpfen sie Kraft für den kommenden Tag.

 

Oft singen sie in dieser stillen Stunde Lieder, die die Frau selbst gedichtet hat. 581 Lieder sind es insgesamt geworden. Und jedes einzelne singt und erzählt von der Treue Gottes, von Gottes Hilfe aus der Not, spricht darüber, wie Gott in einem Menschenleben helfen kann und will. Die Frau, die an diesem Tag mit Freunden und einigen Familienmitgliedern gemeinsam Andacht feiert, heißt Ämilie Juliane Reichsgräfin von Schwarzburg-Rudolstadt. Und wir schreiben das Jahr 1699.

 

Wieder soll in der Andacht ein von ihr selbst verfasstes Lied erklingen. Doch zuvor liest sie einen Vers aus der Heiligen Schrift vor. Dieser Vers sei die Überschrift zur ersten Strophe ihres Liedes, sagt sie. 1. Samuelbuch 7,12. Nach dem Sieg über die Philister »nahm Samuel einen Stein und stellte ihn auf zwischen Mizpa und Schen und nannte ihn Eben-Ezer und Samuel sprach: »Bis hierher hat uns Gott geholfen.« Dann liest sie mit brüchiger Stimme die erste Strophe ihres neuen Liedes:

 

»Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hierher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hierher hat er mich geleit, bis hierher hat er mich erfreut, bis hierher mir geholfen.«

 

Sie nickt ein wenig mit dem Kopf, so, als sei sie ganz in eigene Gedanken versunken. »62 Jahre«, denkt sie, »62 Jahre bin ich nun alt, Freude und Leid habe ich gesehen. Und es ist so: Bis hierher hat mich Gott geführt, bis heute, bis auf diesen Tag in Freude und Leid war er dabei.«

 

Wieder blättert sie mit ihren so kranken Händen in der Bibel. »Das«, sagt sie, »ist die Überschrift für die zweite Strophe des Liedes. Aus dem 126. Psalm der 3. Vers«: »Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.« Und von ihrem eigenen Liedblatt liest sie:

 

»Hab Lob und Ehr, hab Preis und Dank für die bisherge Treue, die du, o Gott, mir lebenslang bewiesen täglich neue. In mein Gedächtnis schreib ich an: Der Herr hat Großes an mir getan, bis hierher mir geholfen.«

 

»Ja«, denkt sie, »das stimmt: Der Herr hat Großes an mir getan. Auch wenn es manchmal so aussah, als würde es gar nicht weitergehen, als sei mein Leben nichts, als ständen nur schreckliche graue Wolken am Himmel: Gott hat mich immer wieder richtig geführt. Dafür danke ich ihm von ganzem Herzen.«

 

»Auch die dritte Strophe hat einen Leitsatz aus der Heiligen Schrift. Aus dem ersten Kapitel des Petrusbriefes: »Ihr wisset, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid, sondern mit dem teuren Blut Christi.« Gerade dieser Vers ist ihr so wichtig geworden in ihrem Leben: Jesus Christus -  er ist für uns gestorben. Das hält sie immer wieder in den Zeiten, wenn sie traurig ist oder sie die Schmerzen überkommen. Christus, der ist für uns in den Tod gegangen, für uns, für dich und mich. So liest sie dann auch ihre dritte Strophe:

 

»Hilf fernerweit, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden. Hilf mir an all und jedem Ort, hilf mir durch Jesu Wunden; damit sag ich bis in den Tod: Durch Christi Blut hilft mir mein Gott; er hilft wie er geholfen.«

 

Die kleine Hausgemeinde spricht noch ein kurzes Gebet, dann gemeinsam das Unser-Vater. Jeder geht wieder seiner Wege, zurück an die Arbeit, in die Küche, in den Stall, auf die Felder. Aber die Worte des Liedes begleiten die Menschen. Die Reichsgräfin bleibt alleine zurück, eine kranke Fau von 62 Jahren, mit der das Leben wahrlich nicht zimperlich umgesprungen ist. Aber jeder, der sie kennt, merkt es, sieht es, versteht es, woher ihre Wärme kommt: direkt aus ihrem Herzen, direkt aus ihrem Glauben und Hoffen heraus, das sich ganz und gar auf Gott verlässt.

 

Bis hierher hat mich Gott gebracht, durch seine große Güte ... das war ihr Leben im Rückblick. Und das hofft sie von dem, was vor ihr liegt: »Hilf fernerweit, mein treuster Hort, hilf mir zu allen Stunden.« 5 Jahre später - im Alter von 69 Jahren - stirbt sie nach langer schwerer Krankheit. Zurück bleiben ihre Lieder, von denen das Lied »Bis hierher hat mich Gott gebracht« wohl das bekannteste ist. Und vielleicht merkt man ihm ja ein wenig an von dem tiefen Glauben und der tief verwurzelten Hoffnung seiner Dichterin.

 

Von diesem Lied wissen wir nun die Geschichte, und ... mit diesem Lied haben viele von uns auch eine Geschichte. An so manchem Krankenbett habe ich die Verse mit Kranken oder sterbenden Menschen gebetet. Viele alte Menschen waren darunter, die das Lied aus ihrer Kindheit kannten und es laut mitbeteten. Und manchem ging bei diesen einfachen Strophen auf, dass der Glaube an Gott tragen kann, führen kann, geführt hat, und leiten wird.

 

»Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte ... In mein Gedächtnis schreib ich an: Der Herr hat Großes mir getan, bis hierher mir geholfen.«

 

Reinhard Weiß

Mittwoch, 15. April

„Wir würden so gern mal unsere Enkelkinder wiedersehen!“

„Ich sehne mich danach, mal wieder in den Arm genommen zu werden!“

„Ich vermisse richtig die Nachmittage mit der Frauenhilfe!“

„Wie lange wohl wird diese Zeit noch dauern!?“

"Mir geht das Leid nicht aus dem Sinn, das abgesehen von Corona an vielen Stellen herrscht! Das belastet mich so. Das zu sehen und auch da tätig zu werden, dazu müssen wir doch die Welt wachrütteln!"

 

Dies sind nur einige Zitate aus den Telefonaten, die ich (Ulrike Rüter) jeden Tag führe.

Lauter Sehnsüchte.

Wonach sehnen Sie sich?


Es gibt ein Lied, das unsere Sehnsüchte vor Gott bringt:

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott,

nach dir,

dich zu sehn,

dir nah zu sein.

Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück,

nach Liebe, wie nur du sie gibst.

 

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.

In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe Gott.

 

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.

In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.

In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir .

Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.


Anne Quigley, deutsch: Eugen Eckert

 

 

"Da wohnt ein Sehnen tief in uns" – Orgelmusik von Annika Eisenberg:

Dienstag, 14. April

Zum Vergrößern doppelt anklicken. Foto: ur

Unsere Osterkerze wurde dieses Jahr von unserem Küster Edwin Kurz gestaltet. Sie lädt zum Meditieren ein:

Ein silbernes Kreuz bildet den Rahmen für vier stilisiert dargestellte Motive.


Unten rechts sehe ich Wasser: zwei hellblaue Wellen auf dunkelblauem Grund. Darüber eine weiße Taube. Ich assoziiere die Taufe. Jesu Taufe. Laut den Evangelisten erscheint derweil eine Taube und eine Stimme erklingt: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!“


Auf der linken Seite ist ein goldener Kelch mit zwei Broten abgebildet, darüber zwei Fische. Brot und Fisch und Wein – Jesus hat gern mit anderen Menschen gegessen, an seinem Tisch ist jeder willkommen.

Der goldene Kelch mit den beiden kleinen Brote erinnert an das Abendmahl und lässt mich an Jesu letztes Abendessen mit seinen Jüngern denken: Nach dem Mahl nimmt Jesus den sogenannten Messiaskelch, den die Juden nach altem Brauch bis heute für den wiederkehrenden Messias auf dem Tisch bereitstellen, und zeigt damit: Ich bin der Messias, auf den ihr wartet!


Das die Motive gliedernde Kreuz ist nicht schwarz, nicht dunkel, sondern silbern und licht – Zeichen dafür, dass Jesu Passion überwunden ist.


Jetzt leuchtet sein Licht bis zu uns, lädt uns zu sich ein: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“


Eine Christuskerze! Danke, lieber Edwin!   (ur)

Ostersonntag

Zu unserem Hüstener Online-Ostergottesdienst bitte hier klicken!

Karsamstag

Stille

Karfreitag

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Gründonnerstag

Mutmach-Impuls am 8. April

Ein Text aus der Bibel


Jesus rief laut:

»Wer an mich glaubt,

glaubt nicht an mich,

sondern an den,

der mich beauftragt hat.

Und wer mich sieht,

sieht den,

der mich beauftragt hat!


Ich bin als Licht in diese Welt gekommen.

Dadurch bleibt niemand,

der an mich glaubt,

in der Dunkelheit.


Wer hört, was ich sage,

und sich nicht danach richtet,

den verurteile ich nicht.

Denn ich bin nicht gekommen,

um über diese Welt Gericht zu halten,

sondern um sie zu retten.


Wer mich ablehnt

und meine Worte nicht annimmt,

hat seinen Richter schon gefunden:

Das Wort, das ich gesprochen habe,

wird ihn am letzten Tag verurteilen.


Denn was ich gesagt habe,

stammt nicht von mir selbst.

Der Vater, der mich beauftragt hat,

hat mir genaue Anweisung gegeben,

was ich sagen und reden soll.


Und ich weiß,

dass seine Anweisungen

zum ewigen Leben führen.


Was ich euch also sage,

sage ich genau so weiter,

wie es der Vater mir gesagt hat.«


Johannesevangelium, 12,44-50

Übersetzung: Basisbibel

Mutmach-Impuls am 7. April

Ein Text aus der Bibel


Es befanden sich auch einige Griechen unter denen,

die zum Fest nach Jerusalem gekommen waren,

um Gott anzubeten.


Die gingen zu Philippus,

der aus Betsaida in Galiläa stammte,

und baten ihn:

»Herr, wir wollen Jesus sehen!«

Philippus ging zu Andreas

und erzählte ihm von ihrem Anliegen.

Dann gingen die beiden zu Jesus

und berichteten es ihm.


Jesus antwortete ihnen:

»Die Stunde ist gekommen!

Jetzt wird der Menschensohn

in Gottes Herrlichkeit aufgenommen!


Amen, amen, das sage ich euch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt

und stirbt,

bleibt es ein einzelnes Korn.

Aber wenn es stirbt,

bringt es viel Frucht.


Wem sein Leben über alles geht,

der verliert es.

Aber wer sein Leben in dieser Welt

nicht für das Wichtigste hält,

wird es bewahren bis ins ewige Leben.


Wer mir dient,

muss mir auf meinem Weg folgen.

Denn wo ich bin,

wird auch mein Diener sein.

Wer mir dient,

der wird beim Vater Anerkennung finden.«


Johannesevangelium, 12,20-26

Übersetzung: Basisbibel

Mutmach-Impuls am 6. April

Ein Text aus der Bibel


Die große Menge,

die sich zum Fest in der Stadt aufhielt,

hörte:

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem.


Da nahmen sie Palmenzweige

und liefen ihm entgegen.

Sie riefen:

»Hosanna!

Stimmt ein in unser Loblied auf den,

der im Namen des Herrn kommt!

Er ist der König Israels!«


Jesus fand einen jungen Esel

und setzte sich darauf –

genau so,

wie es in der Heiligen Schrift steht:

»Fürchte dich nicht, du Tochter Zion!

Sieh doch:

Dein König kommt!

Er sitzt auf dem Jungen einer Eselin.«


Die Jünger von Jesus verstanden das zunächst nicht.

Aber als Jesus

in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war,

erinnerten sie sich daran.

Da wurde ihnen bewusst,

dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog.

Denn genau so hatten ihn die Leute empfangen.


Johannesevangelium, 12,12-16

Übersetzung: Basisbibel

Mutmach-Impuls am 5. April (Palmsonntag)

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Mutmach-Impuls am 4. April

Um 19 Uhr hat sie einen Termin. Jeden Abend. Da tritt sie ans Fenster und bläst mit ihrer Posaune einen Abendchoral. Eine Strophe durchs Fenster nach vorne raus und eine Strophe durchs Fenster nach hinten raus.


Die Rede ist von Beate Ullrich, die der Einladung der EKD folgt, jeden Abend um 19 Uhr auf dem Balkon oder am geöffneten Fenster „Der Mond ist aufgegangen“ oder ein anderes Abendlied zu singen oder auf seinem Instrument zu spielen.


Bei Beate Ullrich ist es die Posaune, und die ist weithin zu hören. Die Nachbarn freuen sich. Bedanken sich. Einer hat auch schon mal einen Liedwunsch geäußert, dem sie gern nachgekommen ist.


Denn sie spielt jeden Abend etwas anderes. Zur Zeit Abendchoräle wie „Bleib bei mir, Herr“ oder „Abend ward, bald kommt die Nacht“. In der nächsten Woche, der Karwoche, werden es Choräle sein wie „Befiehl du deine Wege“ oder „Jesu, meine Freude“. Und in der Osterzeit wird sie Osterlieder erklingen lassen. Natürlich. Lieder vom Sieg des Lebens über den Tod.


So bläst sie aus ihrem Fenster heraus Trost und Hoffnung in die Welt, spielt ihren Nachbarn Ermutigung und Gottvertrauen zu. Und vielleicht ja nicht nur ihren Nachbarn, sondern auch Ihnen. Denn vielleicht steigt ja auch in Ihnen, wenn Sie das hier gerade lesen, die ein oder andere Melodie auf und begleitet sie durch den Tag, durch die Nacht. Bei mir ist es:


Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege

des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.


Ulrike Rüter

Mutmach-Impuls am 3. April

Das Fahrrad an der Mauer

Es ist schon lange her. Da lebte in einem Dorf in Bayern einmal ein alter Mann. Er hieß Johannes und hatte weder Verwandte noch Freunde, die sich um ihn kümmern konnten. Am Mittag fuhr Johannes mit seinem alten Fahrrad zur Kirche, lehnte es an die Mauer und ging hinein. Er stellte sich vor das große Kreuz, zog seine Mütze ab und ging eine Minute später wieder hinaus. Niemand merkte es. Bis Pastor Huber eines Tages zur Kirche eilte. Er wollte zur Sakristei. Denn er hatte etwas vergessen. Da bemerkte er das Fahrrad an der Kirchenmauer.

Der Pastor wird neugierig

Als Pastor Huber die Kirche betrat, sah er Johannes vor dem großen Kreuz stehen. Doch kurze Zeit später drehte Johannes sich um und verließ die Kirche. Er hatte Pastor Huber nicht gesehen. Am nächsten Tag – es war wieder genau zwölf Uhr – ging der Pastor an der Kirche vorbei. Da sah er Johannes. Er stieg von seinem Fahrrad und lehnte es an die Kirchenmauer. Dann betrat Johannes die Kirche. Pastor Huber folgte ihm unauffällig.

Kein langes Gebet

Johannes ging wieder zum Kreuz, blieb davor stehen, zog seine Mütze aus und wandte sich eine Minute später wieder zum Gehen. Da sprach der Pastor ihn an und fragte: „Möchtest du vielleicht beten?“ Johannes antwortete: „Ich habe doch gerade gebetet.“ Der Pastor frage verwundert: „Ich habe dich gestern schon in der Kirche gesehen. Aber da warst du genau wie heute kurze Zeit später wieder weg. Für ein Gebet reicht diese Zeit unmöglich.“ Da sagte Johannes: „Ich kann kein langes Gebet sprechen. Mir fällt einfach nichts ein. Aber ich komme jeden Tag Punkt Mittag und sage: ,Jesus, hier ist Johannes.' Und dann gehe ich wieder und weiß, er hört mich.“

Seine gute Laune steckt an

Einige Zeit später musste Johannes ins Krankenhaus. Die Ärzte und Krankenschwestern mochten den alten Mann. Sie sagten: „Er ist ein richtiger Zauberer. Denn er bringt es fertig, selbst schwer kranke Menschen wieder zum Lachen zu bringen. Und unzufriedene Patienten, die vorher immer an allem herumgenörgelt haben, sind plötzlich viel zufriedener, seit Johannes bei uns ist.“ Die Krankenschwestern und Ärzte wunderten sich über die Heiterkeit des alten Mannes. „Er ist ganz allein und bekommt nie Besuch. Da hätte er eigentlich allen Grund, traurig zu sein. Aber mit seiner guten Laune steckt er die ganze Station an.“

Als Pastor Huber die Kranken aus dem Dorf besuchte, kam er auch zu Johannes. Er fragte ihn: „Wie schaffst du es nur, dass auf dieser Station plötzlich alle fröhlich sind? Die Ärzte und Schwestern sagen, dass du es bewirkt hast.“ „Herr Pastor“, meinte Johannes, „dafür kann ich nichts. Das kommt durch meinen Besucher.“ Der Pastor wunderte sich. Denn die Schwestern hatten ihm erzählt, dass Johannes nie Besuch bekommt. Er fragte: „Wann kommt denn dein Besuch, Johannes?“ Da sagte Johannes: „Jeden Mittag um zwölf. Er kommt ins Zimmer, steht am Fußende meines Bettes und sagt: ,Johannes, hier ist Jesus!'“

(Diese Geschichte ist in mehreren Variationen vielfältig überliefert. Wir haben sie gefunden auf: Quelle: katholisch.de, Margret Nußbaum ? )

Übrigens: Unsere Kreuzkirche ist tagsüber auch immer offen!

Mutmach-Impuls am 2. April

Gute Nachrichten! Ich sammle gute Nachrichten.

Zwischen dem fortwährenden Corona-Ticker, den täglichen Virologen-Interviews, neuesten Ausbreitungszahlen und kuriosen Verschwörungstheorien gehen sie manchmal unter.

Natürlich: Auch ich informiere mich, möchte auf dem neuesten Stand sein und verfolge in seriösen Medien Neuigkeiten und Hintergründe. Und das halte ich auch für unerlässlich.

Aber daneben suche ich auch noch nach etwas anderem:

nach den Kleinigkeiten jeden Tag, die eigentlich „Großigkeiten“ sind,

nach Nachrichten, Ereignissen, Erlebnissen, die mir gut tun, weil sie mich schmunzeln lassen, mein Herz erwärmen, meine Augen zum Leuchten bringen.

All das, was mir zeigt: Das Leben ist schön.


Zum Beispiel: Die Nachricht von dem jungen Mann, der meinen alt gewordenen Eltern von sich aus angeboten hat, für sie einzukaufen. Dabei wohnt er erst seit kurzem im Haus am Ende des Gartens, und sie hatten erst ein einziges Mal miteinander gesprochen.

Oder: Die E-Mail mit dem Corona-Song, den Ingrid Behnke-Wieses Sohn mit seinen Freunden „produced“ hat und der einfach mal erfrischend anders ist als das, was wir bei Kirchens sonst so zu hören gewohnt sind.

Oder: Die Narzissen, die Frau Bystron in unseren Garten gepflanzt hat und die mir bei jedem Blick aus meinem Arbeitszimmerfenster entgegenleuchten.

Oder: Die Freundin, die einen waschbaren Mundschutz für mich genäht hat.

Oder: Das Erlebnis mit der Apothekerin, die dem Ehepaar vor mir, das spornstreichs vom Arzt gekommen ist, um ein dringend benötigtes Medikament zu besorgen und das nun aber nur einen Zwanzig-Euro-Schein dabei hat, die fehlenden 49 Cent erlässt.

Oder: Die strahlende Frühlingssonne und ebenso heute der bedeckte Himmel, einfach das Wetter, wie es sich gerade präsentiert.


Bestimmt fällt Ihnen und Euch noch mehr ein.

Mein Vorschlag: Jeden Tag eine gute Nachricht oder ein schönes Erlebnis aufschreiben und für Ostern aufheben, dann alles auf einmal lesen und sich freuen.


Ulrike Rüter

Schriftlicher und musikalischer Gruß unserer neuen Kantorin Annika Eisenberg am 1. April

Liebe Hüstener!

Heute beginnt ein neuer Lebensabschnitt, denn heute ist mein erster offizieller Arbeitstag in Ihrer, nein, unserer Gemeinde. Das „verrückte“ Datum des 01.04., an dem traditionell allerlei Scherze gemacht werden, ist dieses Jahr besonders verrückt, allerdings nicht im positiven Sinn. Die allgegenwärtige Corona-Krise wirbelt auch das Gemeindeleben ordentlich durcheinander; nichts ist, wie es normal sein sollte oder wie es geplant war/ist. Martins Abschied und mein Dienstbeginn sind davon ebenso betroffen. Es wird später eine Möglichkeit geben, Martin gebührend in seinen neuen Lebensabschnitt zu verabschieden, für den ich ihm schon jetzt an dieser Stelle alles Gute wünsche.

Meinen Start hatte ich mir auch anders gedacht; hatte auf viele Begegnungen und Gespräche gehofft, in denen ich Sie besser kennen lernen kann. Dies ist momentan noch nicht möglich.

Daher habe ich für Sie einen kleinen musikalischen Gruß aufgenommen und übersende ihn, verbunden mit den besten Wünschen, auf diesem Weg. Auf dass die Worte der Irischen Segenswünsche („Möge die Straße uns zusammenführen“), die hier erklingen, eintreffen: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Alles Gute, damit wir uns gesund wiedersehen!

Ihre Annika Eisenberg

huesten.ekvw.de/fileadmin/mediapool/gemeinden/KG_huesten/audio/Moege_die_Strasse_uns_zusammenfuehren_Pachelbel_Choral_Dynami....mp3

 

Mutmach-Impuls am 30. März

Irische Segenswünsche:

www.youtube.com/watch

 

Mutmach-Impuls am Sonntag, dem 29. März – Predigt von Pfarrerin Ulrike Rüter

Mutmach-Impuls am 28. März

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: "Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"

Da antwortete er: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."

Margaret Fishback Powers

Mutmach-Impuls am 27. März - von unserem Superintendenten Dieter Tometten

Liebe Mitarbeitende, liebe Kolleginnen und Kollegen,

wieder ist Freitag. Ich grüße Sie herzlich, mit guten Gedanken an unsere übliche Morgenrunde im Kreiskirchenamt. Unseren Kaffee oder Tee trinken wir jede und jeder für sich. Verbindung herstellen mag jetzt dieser Gruß.

Einfach da war gestern, ich hatte es bei all dem Gewirbel in meinem Kopf zunächst fast nicht bemerkt, die Geschichte von den anvertrauten Talenten: Fünf Talente, Zentner oder Pfunde, egal, jedenfalls was Gewichtiges, Wertvolles. Und dann war der Herr weg. Die fünf Talente blieben. Oder nur zwei oder eins.

Ganz gelassen stand diese biblische Geschichte da. In der Bibel sowieso (Matthäus 25), klar, seit Jahrtausenden und unzähligen Katastrophen. Aber jetzt stand sie in meinem Kopf, ein wenig am Rande, einfach nur so. Immerhin so, dass ich beim rastlosen Hin und Her des Tages immer wieder an ihr vorbeistreifte.

Talente in der Krise. Man kann sie vergraben, kann sich zum Stillstand zwingen lassen, kann die Abwesenheit der gewohnten Ordnungen, der Geschäftigkeit, der Vorgesetzten beklagen, die Regierungen kritisieren, kann sich in Toilettenpapier einwickeln.  Man kann aber auch die Krise nutzen und Talente, das Gewichtige, was mir in die Hand gegeben ist, entfalten. Nach vorne schauen. Der Krise zutrauen, dass sie endet, und uns zutrauen, dass wir nicht dahinten wieder anfangen, was früher war. Sondern aufbauen auf dem, was sich jetzt als wertvoll erweist.

Ich sehe und höre, dass dies in unserem Kirchenkreis und in unserer Verwaltung tatsächlich geschieht. Wir igeln uns nicht in unseren Homeoffices ein, wir denken nach vorn, wir probieren Neues. Wir sind stolz, wenigstens das eine oder andere schon zu können, was wir in Zukunft noch mehr brauchen. Wir gratulieren den anderen zu ihren wertvollen Talenten, die sie gerade vermehren.

Ich danke der biblischen Talentgeschichte, dass sie uns darin bestärkt.

Mit besten Grüßen!

Dieter Tometten

Mutmach-Impuls am 26. März

Das Vaterunser ausgelegt

Vater unser im Himmel –
der du uns mal väterlich, mal mütterlich nahe bist
in den Höhen und Tiefen unseres Lebens,
im Lachen und im Weinen,
auf den leichten und auf den beschwerlichen Wegen.

Geheiligt werde dein Name –
den wir ehren, wenn wir deiner Wahrheit über uns Recht geben,
wenn wir den Reichtum deiner Güte mit allen Sinnen bestaunen,
wenn wir deinen Namen verteidigen gegen
Größenwahn, Allmachtsgebahren und Unmenschlichkeit.

Dein Reich komme –
es wachse in uns und durch uns Freude und Sanftmut,
es reife erfülltes Leben auf dem Feld
unseres Herzens und deiner Welt.

Dein Wille geschehe –
wie im Himmel so auf Erden –
auch dann, wenn unsere Macht andere Menschen ohnmächtig macht,
wenn wir nicht wie Kinder empfangen, was du uns schenkst,
wenn wir nicht das tun, was uns eins macht mit dir und mit uns selbst.

Unser tägliches Brot gib uns heute –
das Brot für Leib und Seele uns und allen Menschen:
das Brot des Friedens, das Brot guter Worte, das Brot der Liebe.

Und vergib uns unsere Schuld –
dass wir uns immer wieder entfremden: von dir, von unseren Ursprüngen,
von der Freiheit der Befreiten, von der Gnade deiner bedingungslosen Liebe.

Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern –
und ohne zu rechnen die Hand zur Versöhnung reichen,
auf unseren falschen Stolz verzichten, anderen so lange ins Gesicht schauen,
bis wir in ihnen die Schwester und den Bruder erkennen.

Und führe uns nicht in Versuchung –
uns an das Sterben unserer Hoffung zu gewöhnen,
die Angst über unser Vertrauen siegen zu lassen
und die Verzweiflung über unseren Glauben.

Sondern erlöse uns von dem Bösen –
wenn es in uns zum Gegenspieler wird, gegen dich und gegen alles,
was uns in den weiten Raum der Freiheit stellt.
Wenn es unser Ich klein macht
und wir uns fesseln lassen in Lebenslügen und in den Zwängen,
das wahre Leben im falschen Leben zu suchen,
wenn wir versuchen, uns selber Leben auf Kosten des Nächsten zu nehmen.

Denn dein ist das Reich –
in unseren kleinen Anfängen hier
und in dem vollkommenen Ganzen, auf das wir zugehen.

Und die Kraft –
in unserer Schwäche und in unserer Stärke,
in unserer Starrheit und in unserer Beweglichkeit.

Und die Herrlichkeit –
die wir jetzt schon sehen, hören, schmecken,
riechen und tastend begreifen,
und die uns einst umfangen wird.

In Ewigkeit –
in der Gültigkeit deiner Zusage, dass nichts uns trennen kann von dir,
weder unser Stückwerk noch unsere Angst,
weder unerfüllte Sehnsucht, noch nicht gelebtes Leben,
weder dunkle Mächte noch die Hölle auf Erden.

Amen.
So soll es sein. So soll es werden. So wird es sein!

(nach Helge Adolphsen, Minutengebete)

Mutmach-Impuls am 25. März

Ruf doch mal an!

Melde dich doch mal wieder bei Freunden, Verwandten, Bekannten!


Viele Menschen haben jetzt Zeit.

Manche sind allein.

Fast alle haben Redebedarf.


Sich austauschen,

ein offenes Ohr haben,

nachfragen, wie es denen am anderen Ende der Leitung geht,

was sie bewegt,

ob sie etwas brauchen – das ist eine gute Sache, besonders jetzt.


Ruf doch mal an!

Melde dich doch vielleicht auch einmal bei jemandem, den du normalerweise erstmal nicht anrufen würdest.

Jemanden, von dem du lange nichts gehört hast.

Jemanden, den du gar nicht soo gut kennst.


Wie schön, wenn man merkt:

Da denkt jemand an mich!

Da interessiert sich jemand dafür, wie es mir wirklich geht!


Ruf doch mal an!

Mach mit bei der Telefonkette unserer Kirchengemeinde!

Längst hat diese Telefonkette begonnen:

Das Team des Seniorenkreises beteiligt sich ebenso wie die Damen des Holzener Frauenkreises und viele weitere Menschen.

Vielleicht machen manche der Angerufenen ebenfalls mit und rufen ihrerseits den ein oder anderen an.

Und diese greifen wiederum zum Hörer…


Wie schön, wenn auf diese Weise ein immer dichter werdendes telefonisches Gesprächsnetz entsteht, wo einer für den anderen ein offenes Ohr hat!

Mach mit und ruf doch mal an –

am besten gleich jetzt!

 

Übrigens: Kennst du Gottes Telefonnummer?

Sie lautet 5015.

Denn in Psalm 50,15 heißt es:

Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.

 

Ulrike Rüter

Mutmach-Impuls am 24. März

 

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.


Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen

und dich zu schützen.


Der Herr sei hinter dir,

um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.


Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen, wenn du fällst,

und dich aus der Schlinge zu ziehen.


Der Herr sei in dir,

um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.


Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen.


Der Herr sei über dir,

um dich zu segnen.


So segne dich der gütige Gott.

Mutmach-Impuls am 23. März

Ein Lied geht um die Welt:

https://www.youtube.com/watch?v=4nV8NakYNfs&feature=share&fbclid=IwAR3VdcBU4nEiuqI2pbEOcRYmlfnEx9uqFI4LPdIfBtmvUxjmA60Ws9VX4O0

 

Auszug eines aktuellen Schreibens der Bachfest-Organisatoren:

Wie sehr unsere Idee und das damit verbundene Ziel einer Vernetzung der weltweiten Bach-Institutionen schon jetzt Früchte getragen haben, möchten wir euch abschließend mit einem rührenden musikalischen Gruß verdeutlichen. Zu den 33 Bach-Ensembles, die im diesjährigen Bachfest den gesamten Choralkantaten-Jahrgang J. S. Bachs aufführen sollen, gehören die Musiker vom
Malaysia Bach Festival. Ihr Gründer und Leiter David Chin bat vor einigen Tagen verschiedene Musiker seines Ensembles, aber auch aus Leipzig, binnen acht Stunden zu Hause den Choral „Befiehl du deine Wege“ – im vierstimmigen Satz aus Bachs „Matthäus-Passion“ – zu musizieren und ihm als Video zuzusenden: Stimmton 440 Hz. Als Hilfestellung gab es ein Video mit seinem stummen Dirigat.
Nun sahen wir das Ergebnis – und waren zu Tränen gerührt.
Treffender kann man die gegenwärtige Situation musikalisch nicht ausdrücken. Hört selbst und schöpft Kraft und Zuversicht daraus.
Und vor allem: Bleibt gesund!

 

Mutmach-Impuls am 21. März

Heute ein Link auf die Video-Botschaft von Präses Annette Kurschus:

Corona: Botschaft von Präses Annette Kurschus (EKvW) - YouTube

Mutmach-Impuls am 19. März

Licht der Hoffnung – Gerade jetzt sind wir miteinander verbunden!

 

In diesen Tagen kommt in meinem E-Mail-Postfach eine Fülle von Nachrichten an. Eine E-Mail aber sticht heraus. Darin die Einladung, jeden Abend während des abendlichen Geläuts der Kirchenglocken eine Kerze als Licht der Hoffnung ins (vielleicht sogar geöffnete) Fenster zu stellen, dabei in ökumenischer Gemeinschaft für unseren Ort, unser Land und die ganze Welt zu beten. Jeder Haushalt für sich. Und doch im Gebet mit allen verbunden und von Gott gehalten.

 

Eine gute Idee, finde ich. Je mehr Gemeinden sich anschließen, desto heller scheint das Licht der Hoffnung – in der Welt, für die Welt. Und ich verbreite diese Idee, stelle selber am Abend eine Kerze ins offene Fenster.

 

Heute nun kommt eine ganz andere und doch dazu passende E-Mail. Sie ruft uns Kirchengemeinden dazu auf, jeden Abend um 19.30 Uhr die beiden tiefsten Glocken läuten zu lassen. Denn Glockenläuten verbindet: Menschen untereinander, Menschen mit Gott!

 

So lassen auch Sie sich herzlich einladen, Teil dieser besonderen Gebets- und Lichtergemeinschaft zu werden:

jeden Abend um 19.30 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen,

auf das ernste Geläut zu lauschen

und dabei die Gedanken an Gott zu richten:

mit Dank und Bitte

und mit dem Vaterunser, das uns alle in ökumenischer Weite verbindet.


Ulrike Rüter